Alternativ-Studien

Dezember 14, 2007
  • Aktuelle Studie zum geplanten Kohle-Standort Hamburg, die sich den Klimafolgen, der Unwirtschaftlichkeit und Alternativen für den Ballungsraum HH widmet. Sie schlägt auch den Bogen zur bundesweiten Energiepolitik und lässt sich daher auch auf andere Standorte übertragen. –> zur PDF-Datei auf www.bund.net

Wusstet ihr schon, dass…

Dezember 13, 2007
  • …Merkels Klimaberater Lars Göran Josefsson Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns Vattenfall ist? (siehe Youtube-Video der Klima-Allianz)
  • …Norma für ihre Asia-Food-Produkte werben mit “Noch besser und von minderer Qualität!“? (in chinesischen Schriftzeichen eben ;-) ) (siehe TAZ)
  • Pappbecher, mit der Annahme, dass allein in Manhatten ein Viertel der ArbeitnehmerInnen pro Tag einen Coffe-To-Go konsumieren, nach einem Jahr aufeinandergestapelt einen 17.640 Kilometer hohen Turm ergeben würden? (siehe Utopia)
  • …jede Person, die täglich 30min mit dem Auto zur Arbeit fährt, durchschnittlich 6 Monate ihres Lebens vor einer roten Ampel verbringt? (Nachrichten aus einem fremden Universum, Frank Schätzing)

die Liste darf gerne fortgesetzt werden…


Energie aus dem Meer?

Dezember 13, 2007

Die gängige Umwandlung von Energierohstoffen in Energie bringt Schadstoffe mit sich, die die Biosphäre nicht mehr lange aushält. Allein die aktuell bekannten Vorkommen von Öl, Gas und Kohle dürften nicht mehr verbrannt werden, so der Vorsitzende des Weltrates für Erneurbare Energien, Dr. Hermann Scheer. Das heutige bekannte Energiesystem produziere Abhängigkeiten existentieller Art. Die immer weniger werdende und immer mehr wachsenden Energiekonzerne bringen ganze Regierungen in ihre Abhängigkeit, was Staats- und Demokratie-gefährdend sei.

Nach heutigen Schätzungen könnten jedoch ein Drittel des heutigen Weltstrombedarfs aus dem Meer gewonnen werden. 85% der Sonnenenergie, die auf die Erde trifft, wird vom Ozean aufgenommen. Das ist 10.000 mal mehr, als die Menscheit braucht. Verschiedene Techniken sind möglich:

  • Seaflow: In Großbritannien steht die erste europäische Testanlage, die Energie aus Meeresströmungen gewinnt. Die Gezeiten treiben dabei einen Flügel an, der an einen Motor angeschlossen ist. Die Funktion ist die einem Windrad sehr ähnlich; auch der Energiegewinn ist vergleichbar. Da Wasser jedoch eine höhere Dichte als Luft hat, wird eine wesentlich kleinere Flügelspannweite für ein gleiches Ergebnis benötigt. Es sind nicht sehr viele Standorte auf der Welt für diese Art von Energiegwinnung geeignet, deshalb lassen sich maximal 10% der Eneergie aus dem Meer auf diese Weise gewinnen. Der Rotator sei keine Gefahr für Fische oder Meeressäuger, so Jochen Bard, der am Institut für Solare Energieversorungstechnik arbeitet.
  • Gezeitenkraftwerk: In der Bretagne ist seit 40 Jahren ein Gezeitenkraftwerk in Betrieb, das ähnlich wie ein Wasserkraftwerk mit Staubecken funktioniert. Das Drehen der Rotoren kann zusammen über 240 MW Strom produzieren, was in etwa der Leistung eines Kohlekraftwerkes entspricht. Das ist vergleichbar mit dem Verbrauch einer 30.000-Einwohner-Stadt. Es könnten so ca. 100 Millionen Liter Öl, und dadurch jährlich 100.000de Tonnen CO2 eingespart werden. Die Stromquelle ist so sicher und beständig, wie sich der Mond um die Erde dreht. Weltweit wäre so ein Kraftwerk an etwa 100 Standorten möglich. Doch Kritiker sehen die Umweltverträglichkeit skeptisch: Es wurden bereits Sedimenteinlagerungen hinter den Staudämmen beobachtet, und auch ungewöhnliche Zu- und Abwanderungen verschiedener Arten. Wir müssen abwägen, was wir noch bereit sind in Kauf zu nehmen, bei der einen Technologie gegenüber der einer anderen, und versuchen, in der Summe die geringsten Auswirkungen zu erzeugen, um den Strombedarf decken zu können, so Jochen Bard.
  • OTEC (Ocean thermal energy conversion): Japan forscht im subtropischen Süden an einer sehr vielversprechenden Technik, der OTEC. Hier wird die Meereswärme genutzt und in Energie umgewandelt. Warmes Oberflächenwasser bringt Ammoniak zum Kochen, der ausströmende Ammoniakdpf treibt Turbinen an, welche Strom erzeugen, mit kaltem Wasser wird der Dampf wieder kondensiert. Dazu werden mehrere Millionen Liter Meerwasser pro Tag aus den Tiefen an die Oberfläche gepumpt. So bringt eine OPEC-Anlage nicht nur Energie, sondern auch wertvolles Tiefseewasser, was in Fischfarmen benötigt wird, aber auch zu Trinkasser weiterverarbeitet werden kann. So rentiert sich eine solche Anlage erst richtig. Vor allem in Gebieten mit sehr warmem Oberflächenwasser, ist diese Art von Energiegewinnung sehr effektiv. Gespeichert und transportiert kann die Energie in Form von Wasserstoff-Granula werden, die durch aus dem anfallenden destillierten Wasser und Strom produziert werden. In einer Brennstoffzelle wird aus den Granula wieder Energie erzeugt. Zwischen 18 und 24 Monaten dauert es, eine OTEC-Plattform zu planen und zu bauen. Nell Anthony Sims, ein Fischzüchter, ist froh, eine OTEC-Anlage in der Nähe zu haben: Weltweite Zunahme an OTEC-Anlagen bedeut Wachstum im Bereich der Aquakulturen, und das ist gut für den Planeten. Es gibt Berichte, nachdem der weltweite Fischbestand bis 2048 verschwunden sein soll. Wir müssen daher anfangen, und von Fischen aus Fischzuchten zu ernähren… OTEC-Anlagen liefern uns dafür Energie und Wasser.” Auch Samir Mutair, vom Institut der Ozean Energie, hofft auf OTEC: “In den ostasiatischen Ländern ist das Know-How noch nicht ausgereift, um Trinkwasser effizient aufzubereiten. Folglich ist ein Liter Wasser teurer als ein Liter Benzin.” Doch Kritik gibt es auch hier, da Kleinstlebewesen mit dem Wasser aus Tiefen heraufgepumpt oder von der Oberfläche nach unten genommen werden. Die ökologischen Konsequenzen sind bisher nicht vorraussehbar.

Fast alle Techniken wurden schon vorher erforscht, bis sich herausstellte, das sich das wegen der ökologischen Verhältnisse nicht rentiere, und es wurde weiter Öl benutzt. Erst jetzt, wo Klimawandel und der Öl-Preis Druck machen, besteht erneutes Interesse.

Gezeitenkraftwerke, OTEC oder Seaflow alleine kann den Strombedarf der Menschheit nicht decken. Es besteht Bedarf an wechselseitiger Ergänzung der Erneuerbaren Energien, um die erforderliche Stabilität eines großen Energienetzwerkes zu gewährleisten. Technische Kreativität ist gefragt. Auf den Kontinenten sind Solar- und Bioenergie oder Wind- und Wasserkraft nicht zu vergessen.

Vor allem auf OTEC wird gebaut, da die Plattformen, die mitten im Meer liegen, dem Land gehören, aus dem die Betreiber kommen. So kann jedes Land der Welt von der Stromquelle Meer profitieren. Alle Südseeinseln zum Beispiel haben Sonne, Wind und Meer im Überfluss, und sie sind trotzdem noch vom Öl abhängig. Die zuständigen Gouverneure müssen erst von der wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren Energien überzeugt werden.

Die neue Energie hat soziale, politische und Umwelt-Auswirkungen und ich hoffe, dass es der Welt frieden bringt, so Alfred Yee, ein Ingenieur, der an der Planung von OTEC-Plattformen beteiligt ist.

Quelle: Film auf Arte, 21.05.07, 21.45 Uhr: Stromquelle Meer von Johannes Bünger und Carl-A. Fechner


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