Pressemitteilung – 13.03.2008 -
Klima-Aktions-Gruppe Heidelberg
Kritik am Energiekonzept der Bahnstadt – Klimaschutz muss Vorrang vor Wirtschaftlichkeit erhalten!
In der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr wurde das von der Tübinger Energieberatungsfirma „ebök“ entwickelte Energiekonzept für die Bahnstadt vorgestellt. Die Stadtverwaltung und insbesondere OB Würzner hatten zuvor eine ambitionierte ökologische Zielsetzung angekündigt. Es zeigte sich jedoch, dass das Konzept diesen hochgesteckten Zielen nur teilweise gerecht wird: „An zwei entscheiden Stellen weist das Konzept Schwachstellen auf“, so Florian Kollmann von der Klimaaktionsgruppe Heidelberg: „Die Fernwärmeanbindung unterstützt das geplante neue Kohlekraftwerk in Mannheim und damit einen absoluten Klimakiller. Außerdem spart das Konzept verbindliche Vorgaben für Erneuerbare Energien komplett aus.“
Tatsächlich wird von der „ebök“ der fortschrittliche Passivhausstandard für alle Wohngebäude der Bahnstadt empfohlen. Eine Bauweise, die den jährlichen Energiebedarf vor allem durch eine gute Dämmtechnik und Lüftung auf 15 kWh pro Quadratmeter reduziert. Für ein ökologisch anspruchsvolles Konzept ist es aber entscheidend, wo diese zusätzliche Wärme herkommt. Die dafür vorgeschlagene Lösung ist leider weniger ambitioniert: Sie soll durch die Anbindung an das Fernwärmenetz der Stadtwerke erfolgen. Genau hier liegt aus der Perspektive des Klimaschutzes der Schwachpunkt des Konzeptes, denn die Heidelberger Fernwärmeversorgung kommt nahezu vollständig aus Mannheim. Daher unterstützt eine mögliche Anbindung der Bahnstadt an das Fernwärmnetz zumindest indirekt den geplanten Neubau des geplanten neuen Kohlekraftwerks in Mannheim. Auf diese Weise würde die Bahnstadt einen Ausstieg aus dem klimaschädlichen fossilen Energiesystem langfristig blockieren. Die Folgen, etwa Abhängigkeit von Energieimporten, steigende Strompreise und gesundheitliche Risiken, trägt vor allem die Bevölkerung in der Region Rhein-Neckar.
Doch nicht nur die empfohlene Wärmebereitstellung bietet Anlass zur Kritik. Bei den Empfehlungen hinsichtlich der Stromversorgung für die Bahnstadt bleibt das Konzept unverbindlich. Hier wird die einmalige Chance verspielt, die regionale Nutzung Erneuerbarer Energien im großen Stil voranzutreiben. Stattdessen werden lediglich „Stromsparkonzepte“ empfohlen – obwohl die jährlichen Emissionen aus dem Stromverbrauch der Bahnstadt mit 17.000 Tonnen CO2 laut Hildebrandt von der „ebök“ die Emissionen des Wärmebereichs weit übersteigen.
Optionen wie die Einbindung eines Holzhackschnitzel-Blockheizkraftwerks, das neben der Stromversorgung auch noch zur Wärmebereitstellung beitragen könnte, die gezielte Förderung von Photovoltaik-Anlagen, oder auch die Nutzung von Windkraftpotentialen im Umland stehen hinreichend zu Verfügung – leider finden sich diese nicht im vorgelegten Konzept.
Der Gesamteindruck bleibt bestehen, dass dort ökologisch geplant wurde, wo angesichts der Preisentwicklung auf dem Ölmarkt auch ökonomische Vorteile zu erwarten sind. Ökologie mit Wirtschaftlichkeit zu verbinden, ist zweifellos ein sinnvoller Ansatz. Von einem ökologisch ambitionierten Projekt darf aber erwartet werden, dass es deutlich über das hinausgeht, was ohnehin wirtschaftlich geboten ist. Ein Anspruch, dem die Bahnstadt nach dem vorliegenden Konzept leider nicht gerecht wird.
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